Insektenfreundlicher Garten

Text: Renate Mertens

Für viele gehört es zum Sommer: das Summen der Insekten, das Kribbeln und Krabbeln im Gras und die Schmetterlinge im eleganten Flug. Zugegeben - auf so manches Insekt würden viele gerne verzichten, wie z.B. Mücken und Wespen, die den Menschen durch ihre Stiche ärgern - auch wenn sie damit nur ihrem genetischen Programm folgen.

Aber leider ist es nicht mehr selbstverständlich, dass es auch in Zukunft Insekten geben wird. Seit Jahren geht die Zahl der Insekten dramatisch zurück. Das "Bienensterben" ist immer wieder Thema in der Presse. Zeitungsleser erinnern sich vielleicht auch an ein Foto aus China, wo Menschen in einer bestimmten Region Baumblüten von Hand bestäuben müssen, weil es keine Insekten mehr gibt.

Alles nur Horrorszenarien oder gar "Fake News"? Leider nein. Ganz aktuell hat die Bundesregierung in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Thematik "Insekten in Deutschland und Auswirkungen ihres Rückgangs" Stellung genommen. Die Bundesregierung sagt u.a., dass:

  • an Versuchsstandorten ein dramatischer Rückgang der Insektenbiomasse seit 1982 um bis zu 80% stattgefunden hat,
  • zahlreiche Untersuchungen  die massive Abnahme von Insektenvorkommen belegen,
  • sich keine Entspannung abzeichnet,
  • der Insektenrückgang zu großen ökonomischen Risiken führen kann,
  • der Insektenrückgang erhebliche Auswirkungen auf Nutzpflanzen hat, die weltweit zu über 80% insektenbestäubt sind, und damit auch zu Risiken für die Ernährung führt,
  • Insekten zur Bodenfruchtbarkeit beitragen und Nahrungsgrundlage für andere Tiere sind.

Zum Nachlesen:
Bundestags-Drucksache 18/13142 vom 18.07.2017
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/131/1813142.pdf

Was sind die Ursachen für diesen dramatischen Insektenrückgang? Hier wirken unterschiedliche Faktoren zusammen:

  • weniger insektenfreundlicher Lebensraum durch Bebauung und landwirtschaftliche Nutzung
  • gleichförmige Landschaftsstrukturen
  • Vorliegen von Schadstoffen
  • Klimawandel.

Jeder Gartenbesitzer kann einen Beitrag dazu leisten, den Insektenrückgang zu stoppen:

  • Insektenfreundliche Pflanzen auswählen: Fragen Sie im Gartencenter oder in der Gärtnerei gezielt nach solchen Pflanzen und nutzen Sie die Informationsmöglichkeiten dazu im Internet oder in Gartenbüchern.
  • Auf Pflanzenschutzmittel und "Unkrautvernichter" verzichten: Abgesehen davon, dass viele Privatleute gar nicht die Fachkunde haben, solche Mittel richtig anzuwenden: Jedes chemische Mittel hat Risiken und Nebenwirkungen. Die Diskussion um Glyphosat (gängiger Handelsname verharmlosend "Round Up") und dessen negative Auswirkungen auf die Bienenvölker hat sicherlich jeder wahrgenommen. Ist es denn wirklich so wichtig, einen makellosen Rasen zu haben? Ist es nicht wichtiger, bedenkenlos auch barfuß durch den Garten zu laufen? Wer unbekannte Pflanzen erst einmal wachsen lässt, kann eine Überraschung erleben - so manches "Unkraut" entpuppt sich als schöne Blume, die wunderbar an ihren Standort passt. Lassen Sie sich diese Geschenke der Natur nicht entgehen!
  • "Wilde Ecken" im Garten anlegen und dann in Ruhe lassen: Der Garten muss nicht so aufgeräumt sein wie das Wohnzimmer. Überlegen Sie, wo Sie Platz haben, um einfach der Natur ihren Lauf zu lassen. Solche "wilden Ecken" kann man sehr schön in die Gartengestaltung mit integrieren. Damit tun Sie nicht nur der Natur einen Gefallen, sondern auch sich selbst - denn Sie haben weniger Arbeit!
  • "Insektenhotel" in den Garten stellen: Damit schaffen Sie Rückzugsräume für Insekten. Insektenhotels kann man kaufen, im Internet finden Sie unter dem Stichwort "Insektenhotel" aber auch Anleitungen zum Selberbasteln - ein schönes Wochenendprojekt für die ganze Familie. Da sich viele ungeeignete, oder für die Insekten sogar gefährliche Modelle auf dem Markt befinden, bitte vor dem Kauf oder Eigenbau hier informieren: http://www.wildbienen.info/artenschutz/untaugliche_nisthilfen_B.php